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Montessori? - Das ist doch das mit den kleinen Stühlen, oder?

Naja, fast 😊 Wenn wir von „Montessori“ sprechen, dann ist damit eigentlich ein pädagogisches Konzept gemeint, nämlich die Pädagogik nach Maria Montessori.


Selbstvertrauen und Autonomie deines Kindes fördern

Kernaussage dieses Konzepts ist die Bitte des Kindes „hilf mir, es selbst zu tun“. Maria Montessori sieht es als die Aufgabe von uns Erwachsenen die Kinder in ihrer Entwicklung zu Autonomie und Selbstvertrauen zu unterstützen. Im Mittelpunkt ihrer Pädagogik steht also das Kind, seine Wünsche, Bedürfnisse und vor allem aber seine Fähigkeit, von Beginn an zu lernen. Um dein Kind in diesem Lern- und Entwicklungsprozess zu unterstützen bedarf es einer entsprechenden Lernumgebung. Dazu hat Maria Montessori verschiedene Materialien entwickelt, die heute vielleicht etwas zu kommerziell vertrieben werden. Viel wichtiger ist eigentlich das Verständnis für die Sichtweise und die innere Haltung gegenüber deinem Kind.

Worum geht es also in der Montessori – Pädagogik? Was zeichnet sie aus und was macht sie so besonders?

Aus meiner Sicht liegt der Grund für die aktuelle Popularität der Montessori Pädagogik im Wunsch vieler Eltern begründet, ihr Kind zu einem selbstbewussten und unabhängigen jungen Menschen zu erziehen. Viele Eltern haben die Hoffnung, dass es ihrem Kind in dieser turbulenten Zeit, die gerade jungen Menschen viel abverlangt, leichter ergehen wird, wenn sie mit Selbstvertrauen durchs Leben gehen.

Aber wie kann ich mein Kind in der Entwicklung von Selbstvertrauen unterstützen?

Für die Entwicklung von Selbstvertrauen bedarf es eigener positiver Erfahrungen, Momenten, in welchen sich das Kind als selbstwirksam erlebt. Lob und nette Worte allein reichen nicht für die Entwicklung von Selbstvertrauen. Es bedarf des emotionalen Erlebens von „ich kann das“ und „ich habe das geschafft“. Die Gefühle von Stolz und Freude, welche in so einem Moment empfunden werden, bilden Schritt für Schritt unser Selbstvertrauen.

Damit dein Kind Selbstvertrauen aufbauen kann braucht es also

· eine Umgebung, in der es explorieren und ausprobieren kann

· alters- und entwicklungsentsprechende Aufgaben und

· dein Vertrauen in seine Fähigkeiten.

So hat es die Möglichkeit die Erfahrung zu machen, unabhängig von Erwachsenen eigene Bedürfnisse und Wünsche zu befriedigen, Aufgaben zu übernehmen und am alltäglichen Leben aktiv teilzuhaben.

DIE GESTALTUNG DER ÄUßEREN UMGEBUNG

Die äußere Umgebung sollte aus Sicht der Montessori Pädagogik so gestaltet sein, dass sie deinem Kind ermöglicht, Aufgaben möglichst autonom durchzuführen. Außerdem sollte sie zum Explorieren und Ausprobieren anregen. Hier kommen nun zum Beispiel die kleinen Stühle und Tische zum Einsatz, die es deinem Kind ermöglichen, sich selbstständig hinzusetzen.


Für die frühkindliche Förderung erscheint es sinnvoll, eine möglichst ruhige Umgebung mit einzelnen, gezielten Reizen für dein Baby zu schaffen. Zum Beispiel ein altersentsprechendes Mobile zur Förderung der Sehfähigkeit (mehr zu den Mobile findest du hier). Oder ein ruhiges Bild, neben dem Stillsessel, das dein Baby beim „Bäuerchen machen“ betrachten kann. Als Leitsatz gilt hier – weniger ist mehr. Stell dir nur einmal vor, du hättest noch nie in deinem Leben ein Wohnzimmer gesehen und würdest nun zum ersten Mal in deinem Wohnzimmer stehen. Wie viele Eindrücke und Informationen es dann zu verarbeiten gäbe. Als Erwachsene haben wir für viele Situationen, Räumlichkeiten und Interaktionen in unserem Leben mentale Konstrukte abgespeichert, also bestimmte Erwartungshaltungen oder Normen: in einem typischen Wohnzimmer zum Beispiel erwarten wir ein Sofa, einen Beistelltisch, einen Fernseher, ein Regal mit Büchern oder Dekoration, Pflanzen, vielleicht einen Teppich oder Kerzen vorzufinden. Es wäre nicht sinnvoll, jedes Mal beim Betreten einer neuen Wohnung sich erst mit dem Konzept eines Wohnzimmers vertraut machen zu müssen. Diese abstrakten Konstrukte helfen uns in unserem Alltag, uns auf die aktuell relevanten Aspekte einer Situation konzentrieren zu können. Diese Konzepte fehlen Babys und kleinen Kindern jedoch noch. Alles was sie zu Beginn ihres jungen Lebens sehen, sehen sie gerade zum ersten Mal.

Deshalb ist es bei der Gestaltung der Wohnräume, des Kinderzimmers oder beim Kauf der Baby Erstausstattung so wichtig den Fokus nicht primär auf das zu lenken, was dir als Mama oder Papa gefällt sondern die Perspektive deines Kindes zu übernehmen und zu berücksichtigen, was für dein Kind sinnvoll und ansprechend sein könnte.


DIE INNERE HALTUNG DER ELTERN

Neben der Vorbereitung der entsprechenden Umgebung zu Hause ist es unsere Aufgabe, als Eltern unsere Kinder in ihrer Entwicklung zu unterstützen. Dabei können wir drei wesentliche Merkmale für die innere Haltung festhalten.


BEOBACHTEN UND DEN INTERESSEN DES KINDES FOLGEN

Vorrangig bei der Wahl der Beschäftigung sollten die Bedürfnisse, Wünsche und Interessen deines Kindes sein. Menschen lernen dann am leichtesten, wenn der Inhalt für sie von emotionaler Bedeutung ist. Ein Kind lernt dann seine Schuhe zu binden, wenn es selbst Interesse daran hat. Unsere Aufgabe als Eltern ist es also nicht dem Kind ein bestimmtes Spielzeug oder eine Lernaufgabe vorzusetzen und das mit ihm zu üben, sondern genau zu beobachten, wo die Interessen des Kindes liegen und dieses Interesse anhand von geeignetem Material zu fördern. Unsere Kinder interessieren sich vor allem für das, was Erwachsene tun, weil es ihnen emotional bedeutsam erscheint. Sie wollen auch ein Brot mit Butter bestreichen, auf einem Stuhl sitzen oder im Topf umrühren. Oder aber es geht um die psychomotorische Entwicklung und dein Kind interessiert sich dafür, Becher oder Gegenstände zu stapeln, Bälle zu werfen, Murmeln zu sortieren, Münzen in das Sparschwein zu werfen.

Wenn es dir als Mama oder Papa gelingt, das aktuelle Interesse deines Kindes wahrzunehmen, dann könnt ihr gemeinsam auf spielerische Art und Weise diese Entwicklungsaufgabe gemeinsam angehen und eine Menge Spaß am Erforschen und Lernen empfinden. Diese Interaktion wiederum stärkt das Selbstvertrauen deines Kindes und eure gemeinsame Bindung durch die darin enthaltenen Botschaften von „ich interessiere mich für dich, deine Interessen und Wünsche“ und „deine Bedürfnisse sind mir wichtig“.


ZEIGEN UND MITMACHEN LASSEN

Die oben genannten Beispiele führen mich direkt zum zweiten Merkmal der inneren Haltung: Lass dein Kind an deinem Alltag teilhaben und mitmachen. Kinder haben Freude daran, im Rahmen ihrer Möglichkeiten im Haushalt zu helfen. Sie helfen gerne dabei, den Tisch zu decken, die Spülmaschine auszuräumen, Staubzusaugen, Müll wegzuwerfen oder die saubere Wäsche in den Schrank zu legen.

Allerdings solltest du unbedingt berücksichtigen: Alles dauert viel, viel länger. Habe nicht die Erwartung, dass das Glas Marmelade auf direktem Weg zum Tisch getragen wird, habe nicht die Erwartung, dass die fein säuberlich zusammengelegte Wäsche genau so ordentlich in den Schrank geräumt wird. Mache dir vor einer solchen gemeinsamen Aktivität klar, dass es

- länger dauern wird, wie wenn du die Aktivität alleine machst und

- das Ergebnis unter Umständen nicht so „perfekt“ sein wird,

aber dass ihr dafür

+ gemeinsam Zeit verbringt und

+ dein Kind von dir wichtige Alltagsfähigkeiten und motorische Fähigkeiten lernen wird.

Noch ein kleiner Tipp am Rande: berücksichtige immer deine eigenen Kapazitäten. Wenn es mal schnell gehen muss oder du gerade emotional nicht genügend Kräfte und Energie zur Verfügung hast, die Situation auszuhalten, dann vermeide diese gemeinsamen Aktivitäten, verschiebe sie auf einen späteren Zeitpunkt oder übergebe deinem Kind eine Teilaufgabe.

Ich gebe meiner Tochter beim Einräumen der sauberen Wäsche zum Beispiel aktuell nur meine Socken und Unterwäsche (Teilaufgabe). Die ordentlich zusammengelegten T-Shirts und Pullover räume ich lieber selbst in den Schrank, bevor ich mit ansehen muss, wie sie diese „neu faltet“ und in die Schublade stopft. In ein paar Monaten werde ich einen neuen Versuch starten und ihr zeigen, wie sie T-Shirts vorsichtig in die Schublade legen kann.

Wenn es bei uns morgens mal schneller gehen muss mit dem Tischdecken, dann darf meine Tochter mit ihrem Joghurt schon mal an den Tisch sitzen, während ich die restlichen Sachen noch vorbereite.

Wenn ich selbst von unserem gemeinsamen Tag oder meinen Aktivitäten schon sehr angestrengt bin, dann warte ich mit bestimmten Aktivitäten, bei denen meine Tochter gerne hilft, bis sie im Bett ist, und mache sie dann ganz in Ruhe. Bis dahin setze ich mich lieber mit ihr auf den Boden, beobachte sie bei ihrem Spiel oder wir sehen gemeinsam ein Buch an.

Durch das Mitmachen lassen vermittelst du deinem Kind die unausgesprochene Botschaft von „so wie du es machst ist es richtig“ und „du gestaltest unseren Alltag aktiv mit und das ist sehr wertvoll“ und schenkst somit Selbstvertrauen und förderst die Bindung.


SELBST PROBIEREN LASSEN UND VERTRAUEN SCHENKEN

Nach dem Zeigen, wie etwas funktioniert, geht es darum, dein Kind eine Aktivität selbst ausprobieren zu lassen. Zum Beispiel das Bestreichen eines Brotes mit Aufstrich, das Schälen einer Mandarine oder das Wegwischen von Wasser. Natürlich muss ich als Mama oder Papa immer sicherstellen, dass sich das Kind bei der entsprechenden Aktivität nicht verletzen kann und ich darf mein Kind auch nicht mit einer Aufgabe alleine lassen. Dies versteht sich von selbst.

Auch hier die Vorwarnung an die eigene Erwartungshaltung. Erwarte nicht, dass dein Kind den Aufstrich auf direktem Weg mit dem Messer aus der Schüssel auf das Brot befördert. Viel wahrscheinlicher wird es mit dem Messer erst im Aufstrich herumrühren wollen, dann den Aufstrich mit dem Finger vom Messer streichen, zwischen den Fingern verreiben oder ähnliches untersuchen wollen. Und auch hier solltest du vorab überlegen: habe ich die Kapazität das auszuhalten? Falls dies nicht der Fall sein sollte, dann suche nach Alternativen. Falls ja, dann habt ihr beiden eine wunderbare Situation zur Exploration und Lernen geschaffen.

Durch die Möglichkeit zum Ausprobieren schenken wir unseren Kindern einen Vertrauensvorschuss im Sinne von „ich traue dir zu, dass du das kannst“, und Unterstützung im Sinne von „ich bin da, wenn du Hilfe brauchst“. Beide häufig unausgesprochenen Botschaften schwingen in dieser Interaktion mit und fördern das Selbstvertrauen, die Autonomie und die Bindung.


Fazit

Die innere Haltung gegenüber deinem Kind ist für seine Entwicklung von Selbstvertrauen und Autonomie damit viel entscheidender als die „richtige“ Gestaltung der Lernumgebung. Durch die Interaktion mit deinem Kind vermittelst du ihm wichtige Botschaften, die es zu einem selbstbewussten Menschen heranwachsen lassen. Die Montessori-Materialien und die entsprechende Gestaltung der Lernumgebung dienen lediglich als Unterstützung in der Umsetzung des pädagogischen Ansatzes.

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